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  • Benny Daser

Japan auf dem Weg in die Handballweltspitze?

Es ist schon erstaunlich, was die japanische Handball-Nationalmannschaft bei dieser Männer-Weltmeisterschaft in Ägypten bislang leistet. Klar, die Weltspitze ist noch weit entfernt, aber eines ist sicher: Das Land der aufgehenden Sonne spielt einen unheimlich guten Ball.



Ein Paukenschlag zum Turnierstart


Das hatte sich die kroatische Nationalmannschaft bestimmt anders vorgestellt. Der japanische High-Speed Handball fegte wie ein Tsunami über die Kroaten hinweg und erspielte sich zwischenzeitlich einen 6 Tore Vorsprung. Natürlich wird Kroatien den Gegner nicht komplett ernst genommen haben, aber trotzdem war allen Beteiligten schnell klar: Hier hat eine Nation einen Riesenschritt nach vorn gemacht!


“High Speed Handball über 60 Minuten hinweg"

Beeindruckend war vor Allem die Geschwindigkeit, mit der die Japaner agierten und das durchgängig! Das Tempospiel ist bei sämtlichen Spitzenteams immer höher geworden, aber jede Mannschaft gönnt sich mal hier und da einen Tempowechsel, um durchzuschnaufen, aber nicht die Japaner. Eine Mannschaft, die in der Abwehr so ein hohes Maß an Bein- und Armarbeit an den Tag legt, jede Gegenstoßmöglichkeit nutzt, dazu auch noch so schnell in die Stoßbewegung geht und dabei blitzschnell den Ball durch die Reihen laufen lässt, habe ich selten bis gar nicht gesehen.


Genau dies gehörte sicherlich zum Konzept des Teams, Permanentdruck auf den Gegner auszuüben, um ihn dadurch zu ermüden und zu zermürben. Aber wie konnte es diese vermeintlich kleine Handballnation es schaffen, nicht nur schnell und ausdauernd zu spielen, sondern auch eine hohe handballerische Qualität an den Tag zu legen?


Erklärungsversuche für Japans Qualität


1. Die unglaubliche Arbeitsmoral

Kaum ein Land in der Welt hat eine so hart arbeitende Bevölkerung wie Japan. Dies ist sicherlich Fluch und Segen zugleich, denn Japan ist auch das einzige Land weltweit, das mit Karōshi ein eigenes Wort für "Tod durch Überarbeitung" in seinem Wortschatz aufgenommen hat. Dies beschreibt die unglaubliche Arbeitsmoral in tragischer Weise sehr gut.

Die positiven Aspekte dieser Arbeitsethik werden auch im Bereich des Handballs Einzug erhalten haben. Die Männer aus Asien werden in jeder Einheit die Bereitschaft zeigen, den Anweisungen des Trainerteams bedingungslos und mit maximalen Einsatzwillen während des Trainings zu folgen. Gepaart mit einer hohen Leidensfähigkeit bei den härtesten Einheiten, schafft es die Nationalmannschaft nur so, das Tempo in einem Spiel derart hochzuhalten.

“ Japan ist auch das einzige Land weltweit, das mit Karōshi ein eigenes Wort für "Tod durch Überarbeitung" in seinem Wortschatz aufgenommen hat.”

2. Vorbereitung

Während in der deutschen Handball Bundesliga die Meisterschaft eine zentrale Bedeutung hat, ist der Fokus auf die japanische Liga bei weitem nicht so hoch. Nicht dass es sicherlich auch interessante Spiele gibt und zum Teil auch viele Zuschauer ein Handballspiel besuchen, das Leistungslevel ist allerdings ein völlig anderes als in Deutschland oder anderen Topligen.

Die Liga genießt einfach nicht Priorität und da außerdem die geplante Olympiade im eigenen Land ansteht, hatte der Verband die Möglichkeit viel mehr gemeinsame Maßnahmen und Lehrgänge gemeinsam durchführen zu können. Wahrscheinlich sind durch die Olympiade die finanziellen Mittel auch noch einmal deutlich höher.


3. Der Trainer

Dagur Sigurðsson, der bereits 2016 mit Deutschland überraschenderweise den Europameistertitel holte, ist mit Sicherheit ein ganz wichtiger Baustein für den Erfolg dieses Teams. Schon zu seiner Zeit als Spieler in Japan aktiv, kennt er die Mentalität der Menschen bestens. Neben seinen unbestrittenen handballerischen Trainerfähigkeiten, ist er zudem auch ein ausgezeichneter Motivator und schafft es wie kaum ein anderer, seine Spieler so einzustellen, dass sie "heiß wie Frittenfett" eine Partie bestreiten. Eher bekannt für Ihre Zurückhaltung, hat dieses Team für japanische Verhältnisse doch eher einen extrovertierten Auftritt hingelegt und das im positivsten Sinne.


Ob Japan es schafft, die den Leistungsstand zu halten, oder die Entwicklung sogar weiter fortzusetzen bleibt abzuwarten. Durch die geplante Olympiade im eigenen Land liegen Momentan wahrscheinlich mehr Gelder bereit, was passiert allerdings wenn die finanziellen Mittel knapper werden? Dagur Sigurðsson wird sicherlich nicht immer Trainer des Nationalteams sein und das Land plagen demographische Probleme, was den Nachschub an Talenten nicht unbedingt erhöht. Wenn das Land und der Verband die Euphorie allerdings nutzen können und die Trainer im Land weiter entwickelt werden, kann Japan es schaffen, ein dauerhaft hohes Niveau zu erreichen.


Wie auch immer es mit dieser kleinen Handballnation weiter geht, dieses Team hat bei der WM richtig Spaß gemacht und einen wirklich innovativen Handball gespielt.



Wer sich noch intensiver mit diesem spannenden Land beschäftigen möchte, dem kann ich das Buch "Japan - Abstieg in Würde" ans Herz legen. Es hat zwar nichts mit dem Handballsport zu tun, ist allerdings eine durchaus interessante Lektüre über faszinierende Land.









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